Murnau Filmpreis verliehen

Lucrecia Martel (Mitte links) mit Sponsoren und Jury-Mitgliedern

 

11. Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis geht an die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel

 

Der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis wurde am 29. September verliehen. Die Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises hat in diesem Jahr der argentinischen Filmregisseurin Lucrecia Martel den Preis zuerkannt. Diese nahm den „Bielefelder Oscar“ im Großen Saal der Ravensberger Spinnerei in Anwesenheit des Bielefelder Oberbürgermeisters Pit Clausen dankend entgegen.

Clausen bezeichnete die eigens aus ihrer argentinischen Heimat angereiste Preisträgerin als „Querdenkerin, Vordenkerin, Weiterentwicklerin“ – so wie die Ostwestfalen es auch seien. „Wir sind stolz darauf, diesen Preis in Bielefeld zu haben“. ie Preisträgerin trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Lucrecia Martel sagte vor der Presse: „Dieser Preis kam für mich völlig unerwartet, und er ist höchst ungewöhnlich. Die Stifter dürfen stolz darauf sein, damit Filmschaffende in ihrer Arbeit zu unterstützen."Die Preisträgerin wolle das Preisgeld für die Regiearbeiten ihres neuesten Films verwenden, in dem es um die europäisch geprägte „weiße“ Kultur in Argentinien und deren „Verleugnen der indigenen Kulturen“ gehe. In Anspielung auf die weltbekannte „Bielefeld-Verschwörung“ erklärte sie in ihrer Dankesrede: „Von heute an ist Bielefeld für mich die am meisten existierende Stadt der Welt."

 

Die Laudatio hielt Prof. Matthias Müller von der Kunsthochschule für Medien Köln, der den Weg Martels von der prima inter pares des Jungen Argentinischen Kinos zu einer der bedeutendsten Autorinnen des internationalen Films nachzeichnete, ihren avancierten Einsatz des Tons und kunstvolle Bildgestaltung hervorhob sowie die Intelligenz ihres kinematografischen Denkens, die sich in ihrer kritischen Befragung gegebener Standards und dem experimentellen Ausloten von Alternativen zeige.

 

Die Jury-Vorsitzende Christiane Heuwinkel erklärte, der 11. Filmpreis habe durch dessen Verleihung an Lucrecia Martel eine Horizonterweiterung erfahren: „Mit Lucrecia Martel erobert der Filmpreis Neuland: Er ehrt das Werk einer argentinischen Filmkünstlerin, die ihr Land, ihre Herkunft, etwa in der Salta-Trilogie, zur Film-Sprache bringt und zugleich international auf höchstem Niveau auftritt.“

 

Michael Deitert, Vorsitzender der Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises und des Vorstands der Volksbank Bielefeld-Gütersloh eG, begründete das Engagement seines Unternehmens für den Preis: „Der anspruchsvolle Film läuft Gefahr, an Bedeutung zu verlieren.“ Seiner regional verankerten Genossenschaftsbank sei es wichtig, dass Filmpreise „nicht nur in Berlin oder Venedig verliehen werden.“

 

Dr. Yorck T. Streitbörger erklärte für die zu gleichem Teil mitstiftenden Partner der Kanzlei Streitbörger, diese sehe sich gemeinsam mit der Volksbank als „Nichtregierungsorganisation“ zur Unterstützung der Stadt Bielefeld und ihres Oberbürgermeisters in der Filmförderung.

 

Der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis

 

Der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis gedenkt des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, der 1888 in der ostwestfälischen Stadt geboren wurde. Stifter des Preises sind die Volksbank Bielefeld-Gütersloh eG und Partner der Kanzlei Streitbörger. Im Jahr 1988, zum 100sten Geburtstag von Friedrich Wilhelm Murnau, ging der Filmpreis zunächst an Eric Rohmer und in den Folgejahren an Wim Wenders, Henri Alekan, Herbert Achternbusch, Jacques Rivette und Werner Herzog.

 

Unterstützung durch die Kanzlei Streitbörger

 

Nach einer Pause ermöglichten die Bielefelder Partner der Kanzlei Streitbörger im Jahr 2010 einen Neustart. Sie fördern den mit 10.000 Euro ausgestatteten Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis bereits zum fünften Mal, seit 2014 zusammen mit der Volksbank Bielefeld - Gütersloh eG nach deren Beitritt zur verleihenden Gesellschaft.

 

Die Preisträger seit 2010 sind:

Elfi Mikesch und Werner Schroeter - 2010
Aki Kaurismäki - 2012
Chantel Akerman - 2014
Christian Petzold - 2017
Lucrecia Martel - 2019

 

Informationen zum Murnau Filmpreis finden Sie auf den Webseiten der Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises e.V.

 

Fotos: Raphael Tenschert (Header), Dr. Matthias Rose

 

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